Good Charts

Rezensierung von Marc Opitz

Was erwartet den Leser?

Mit dem Buch „Good Charts – The HBR Guide to Making Smarter, More Persuasive Data Visualizations“ richtet sich Scott Berinato, ein Redakteur bei Harvard Business Review, an jeden, der Ideen visuell kommunizieren möchte. Der Autor sieht im Entwickeln von guten Charts eine Basiskompetenz von Managern. Gut bedeutet für Berinato, dass ein Chart sowohl einen hohen Grad kontextueller Aufmerksamkeit als auch eine exzellente darstellerische Ausführung hat.

In diesem Querformat-Buch beschreibt Berinato auf etwa 250 Seiten seine Ideen, Konzepte und Erfahrungen zur Datenvisualisierung. Er unterteilt seine Arbeit in die Abschnitte Understand, Create, Refine und Present and Practice.

Was hat mein Interesse geweckt?

Berinato macht darauf aufmerksam, dass sich in unserer Welt und in der wissensbasierten Wirtschaft die Visualisierung als neue, gemeinsame Sprache durchgesetzt hat und tagtäglich im Einsatz ist. Auch wenn wir die Sprache nicht bewusst gelernt haben, so erwarten wir doch in den verschiedenen Bereichen des Lebens bildliche Darstellungen, z.B. in den Medien wie Zeitung und Fernsehen, an öffentlichen Plätzen wie Bahnhöfen, Flughäfen oder Straßen sowie im Internet oder bei Software-Programmen.

Ein konzeptionelles Herzstück der Arbeit von Berinato ist aus meiner Sicht seine Typologie der Datenvisualisierung. Er spannt eine 2×2-Felder-Matrix anhand von zwei Fragen auf:

– Ist die zugrundeliegende Information konzeptionell oder datenbasiert?
– Ist die Absicht der Visualisierung erklärend oder erkundend?

Links oben in der 2×2-Felder-Matrix befindet sich der Typ der Ideen-Veranschaulichung. Hier werden vorhandene Konzepte oder Ideen präsentiert und vermittelt. Beispiele wie Geschäftsmodelle, Organigramme, Wertketten oder Prozessmodelle stammen häufig aus beratenden Tätigkeiten.

Links unten steht der Typ der Ideen-Erzeugung. Auch hier liegt der Fokus auf Ideen und Konzepten, jedoch werden sie erst in Workshops oder Brainstorming-Sitzungen erarbeitet. Gängige Visualisierungen sind Whiteboard- bzw. Flipchart-Zeichnungen, Skizzen oder Mindmaps.

Rechts unten in der Matrix befindet sich die Visuelle Entdeckung. Hier bildet sich die Informationsbasis aus Daten. Die Daten werden in Tests und Analysen untersucht, um sinnvolle Aussagen abzuleiten. Beispiele liegen in der Nutzung von Business-Intelligence-Technologien oder in Pivot-Tabellen sowie Pareto-Diagrammen.

Kommen wir zum Typen der Alltäglichen Datenvisualisierung, der in der 2×2-Felder-Matrix rechts oben liegt. Hier wird das Gebiet des Reportings betreten. Mittels Berichten oder anderen formalen Präsentationen wird informiert. Sie dienen auch dazu, Aussagen zu bestätigen oder Rahmen zu setzen. Bei dieser Form der Datenvisualisierung kommen Spreadsheet-Diagramme in den Sinn.

Was bedeutet das für Unternehmen?

Die Literatur zur Visualisierung im Business-Umfeld ist breit und umfasst einen großen Anwendungsbereich, z.B. Organisationskonzepte, Management-Präsentationen, Dashboards, Berichte, Workshop-Zeichnungen, Geschäftsanalysen, Prozessmodelle und vieles mehr.

Anhand der 2×2-Felder-Matrix lässt sich leicht überprüfen, auf welchem Gebiet man gerade tätig ist. Je nachdem, welche Art der Visualisierung eingesetzt wird, kommen unterschiedliche Fähigkeiten zum Einsatz. Wer sich im Feld der alltäglichen Datenvisualisierung befindet, wird mit einem Gespür für grafisches Design und einem Talent für Storytelling gut bedient sein. Fähigkeiten, die auch in den anderen Feldern erforderlich sind, beinhalten bspw. die Didaktik, Moderation und analytische Kompetenzen.

Kommen wir auf die Definition guter Schaubilder von Berinato zurück. Zum einen gehört eine professionelle und exzellente Ausführung dazu. Hierzu ist es erforderlich, dass der Ersteller einer Visualisierung die technischen Basisfertigkeiten beherrscht. Ein Prozessmodellierer wird sich mit den Grundsätzen der Modellierung, mit Design-Prinzipien sowie Modellierungskonventionen beschäftigen. Ein Berater braucht Leitlinien und einen „Roten Faden“ für Ergebnispräsentationen. Und ein Entwickler von Reports muss sich mit dem Gebrauch von Diagrammtypen, Statistiken, Tabellendarstellungen und Cockpit-Elementen befassen.

Der zweite Faktor für gute Diagramme ist ein hohes Maß an kontextueller Aufmerksamkeit. Hierzu zählen im Unternehmenskontext ein Verständnis der Geschäftssituation, der Aufbauorganisation, der Produkte und der Abläufe. Schaubilder können als Modelle der Geschäftsrealität angesehen werden und müssen die realen Begebenheiten widerspiegeln. Darüber hinaus und vermutlich noch wichtiger ist die Ausrichtung auf die Zielgruppe, also auf die Empfänger der Schaubilder. Diese Kompetenz muss sich jeder in der Praxis erarbeiten. Interesse am Thema, Reflexion seiner Leistung und Feedback der Empfänger helfen dabei, die kontextuelle Aufmerksamkeit zu schulen.

Fazit

„In a world governed by data, in knowledge economies where ideas are currency, visualization has emerged as our shared language.“ Diese gemeinsame Sprache der Visualisierung lässt sich lernen. Eine Kombination aus technischen Fertigkeiten und persönlicher Achtsamkeit für die geschäftliche Aufgabe bildet die Basis für bessere Schaubilder.

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